Was, wenn Donald Trump nicht die Ursache unserer gesellschaftlichen Krise ist – sondern eines ihrer sichtbarsten Symptome?
Wir leben in einer Zeit, in der nicht mehr nur darüber gestritten wird, was richtig ist, sondern was überhaupt wahr ist. Fakten verlieren ihre verbindende Kraft. Politische Lager leben zunehmend in unterschiedlichen Wirklichkeiten. Misstrauen, Ressentiment und Polarisierung bestimmen den öffentlichen Raum. Wie konnte es so weit kommen?
Ken Wilber, einer der einflussreichsten Denker der Gegenwart, gibt darauf eine ebenso provokante wie überraschende Antwort. Der Aufstieg Donald Trumps, so seine These, lässt sich nicht allein durch Politik, Ökonomie oder den Konflikt zwischen rechts und links erklären. Dahinter liegt eine tiefere kulturelle Krise.
Ausgerechnet jene postmoderne Kultur, die für Pluralismus, Toleranz, Gleichberechtigung und die Anerkennung unterschiedlicher Perspektiven angetreten war, begann ihre eigenen Grundlagen zu untergraben. Aus der Einsicht, dass jede Wahrheit einen Kontext besitzt, wurde zunehmend die Vorstellung, es gebe überhaupt keine verbindliche Wahrheit mehr. Wo aber Fakten nur noch eine Perspektive unter vielen sind, entscheidet am Ende nicht unbedingt das bessere Argument. Es gewinnt die Wirklichkeit, an die Menschen am stärksten glauben wollen. Genau hier verortet Wilber einen Schlüssel zum Verständnis des Phänomens Trump.
Doch Das Zeitalter der Unvernunft ist weder eine Abrechnung mit Trump noch eine Verteidigung der politischen Gegenseite. Wilber richtet den Blick tiefer: auf die psychologischen und kulturellen Entwicklungsprozesse, die unsere Gesellschaften prägen – und auf die Frage, warum gesellschaftlicher Fortschritt auch in Regression, Tribalismus und erbitterte Lagerbildung umschlagen kann.
Vor allem aber bleibt Wilber nicht bei der Diagnose stehen. Er fragt, wie wir wieder zu einer gemeinsamen Wirklichkeit finden können, ohne hinter die Errungenschaften von Pluralismus und Vielfalt zurückzufallen. Seine Antwort ist eine integrale Perspektive, die unterschiedliche Wahrheiten nicht gegeneinander ausspielt, sondern in einen größeren Zusammenhang stellt.
Ein Buch über Trump, das weit über Trump hinausgeht. Über Wahrheit und Postfaktizität, Fortschritt und Regression – und darüber, warum der Westen gerade dabei ist, seine gemeinsame Wirklichkeit zu verlieren.
Übersetzt von Michael Habecker
Was, wenn Donald Trump nicht die Ursache unserer gesellschaftlichen Krise ist – sondern eines ihrer sichtbarsten Symptome?
Wir leben in einer Zeit, in der nicht mehr nur darüber gestritten wird, was richtig ist, sondern was überhaupt wahr ist. Fakten verlieren ihre verbindende Kraft. Politische Lager leben zunehmend in unterschiedlichen Wirklichkeiten. Misstrauen, Ressentiment und Polarisierung bestimmen den öffentlichen Raum. Wie konnte es so weit kommen?
Ken Wilber, einer der einflussreichsten Denker der Gegenwart, gibt darauf eine ebenso provokante wie überraschende Antwort. Der Aufstieg Donald Trumps, so seine These, lässt sich nicht allein durch Politik, Ökonomie oder den Konflikt zwischen rechts und links erklären. Dahinter liegt eine tiefere kulturelle Krise.
Ausgerechnet jene postmoderne Kultur, die für Pluralismus, Toleranz, Gleichberechtigung und die Anerkennung unterschiedlicher Perspektiven angetreten war, begann ihre eigenen Grundlagen zu untergraben. Aus der Einsicht, dass jede Wahrheit einen Kontext besitzt, wurde zunehmend die Vorstellung, es gebe überhaupt keine verbindliche Wahrheit mehr. Wo aber Fakten nur noch eine Perspektive unter vielen sind, entscheidet am Ende nicht unbedingt das bessere Argument. Es gewinnt die Wirklichkeit, an die Menschen am stärksten glauben wollen. Genau hier verortet Wilber einen Schlüssel zum Verständnis des Phänomens Trump.
Doch Das Zeitalter der Unvernunft ist weder eine Abrechnung mit Trump noch eine Verteidigung der politischen Gegenseite. Wilber richtet den Blick tiefer: auf die psychologischen und kulturellen Entwicklungsprozesse, die unsere Gesellschaften prägen – und auf die Frage, warum gesellschaftlicher Fortschritt auch in Regression, Tribalismus und erbitterte Lagerbildung umschlagen kann.
Vor allem aber bleibt Wilber nicht bei der Diagnose stehen. Er fragt, wie wir wieder zu einer gemeinsamen Wirklichkeit finden können, ohne hinter die Errungenschaften von Pluralismus und Vielfalt zurückzufallen. Seine Antwort ist eine integrale Perspektive, die unterschiedliche Wahrheiten nicht gegeneinander ausspielt, sondern in einen größeren Zusammenhang stellt.
Ein Buch über Trump, das weit über Trump hinausgeht. Über Wahrheit und Postfaktizität, Fortschritt und Regression – und darüber, warum der Westen gerade dabei ist, seine gemeinsame Wirklichkeit zu verlieren.
Übersetzt von Michael Habecker