Eine scharfsinnige Untersuchung unserer gegenwärtigen sozialen und politischen Situation durch die Linse der Integralen Theorie – vom Begründer dieses Ansatzes, dem wegweisenden Philosophen Ken Wilber.
Unser zutiefst gespaltenes sozio-politisches Klima gehört zu den größten Herausforderungen unserer Zeit. Nicht nur in Amerika, sondern auch international scheint nahezu jedes Thema extrem lautstarke gegensätzliche Positionen hervorzubringen. Nicht zuletzt ist das Entstehen weitreichender Netzwerke der Desinformation ein Zeichen für die sich vertiefenden Risse in unseren Gesellschaften. Angesichts so viel Feindseligkeit, Antagonismus, Zynismus und Zwietracht stellt sich die Frage: Wie können wir die Brüche in unserer Gesellschaft wieder heilen?
Der renommierte Philosoph Ken Wilber untersucht diese Polarisierung durch die Perspektive der Integralen Theorie und zeigt auf, was zu diesen Verwerfungen geführt hat – sowohl in den USA als auch weltweit – und was nötig ist, damit die Menschheit voranschreiten kann. In seiner provokativen Analyse legt er dar, wie die wachsende Unterstützung für antagonistische autoritäre Kräfte auch eine Gegenreaktion auf das Versagen jener darstellt, die sich an der Spitze der Bewusstseinsentwicklung sehen (Postmodernismus und Pluralismus): Sie haben es versäumt, die fortbestehenden Probleme anzuerkennen, die trotz unseres vermeintlichen Fortschritts weiterhin bestehen – dass Gleichheit bislang gesellschaftlich nicht verwirklicht wurde und Freiheit sowie Gerechtigkeit keineswegs für alle gleichermaßen gelten.
Doch zugleich entsteht eine neue integrale Kraft, die über Narzissmus, Nihilismus und Zynismus hinausgehen und echte Führung ermöglichen kann – hin zu größerer Ganzheit. Jeder von uns kann Teil dieser Bewegung sein, und Ken Wilber zeigt hier, wie das möglich ist.
Übersetzt von Michael Habeck
ERSCHEINT IM Juni 2026
Anmerkung des Herausgebers
Wir erleben derzeit eine historische Zäsur. Die weltpolitische Ordnung, die dem Westen über mehr als siebzig Jahre relative Stabilität, wirtschaftliches Wachstum und geopolitische Orientierung verliehen hat, gerät sichtbar ins Wanken. Mit der Wahl Donald Trumps im Jahr 2016 – getragen von über 63 Millionen Wählern – und erneut 2024 mit mehr als 77 Millionen Stimmen wurde dieser Ordnung ein massives Misstrauensvotum ausgesprochen. Es wäre ein Fehler, die Person Trump als bloß isoliertes amerikanisches Phänomen zu betrachten.
Ähnliche tektonische Verschiebungen erleben wir inzwischen auch in Europa, insbesondere in Deutschland. Der Aufstieg der AfD verweist auf tiefere kulturelle, psychologische und gesellschaftliche Dynamiken, die sich nicht länger allein mit klassischen politischen Kategorien erklären lassen. In welchem Maße diese Entwicklungen tatsächlich denselben Ursachen entspringen, bleibt Gegenstand notwendiger Analyse. Doch vieles deutet darauf hin, dass sich sowohl der Trumpismus als auch der Erfolg der AfD aus verwandten kulturellen Quellen speisen.
In beiden Fällen beobachten wir ein tiefes Misstrauen gegenüber traditionellen Medien und politischen Institutionen – ein Phänomen, das Denker wie Noam Chomsky bereits in den 1980er Jahren beschrieben haben. Sein gemeinsam mit Edward S. Herman veröffentlichtes Werk Manufacturing Consent analysierte früh die strukturellen Mechanismen, durch die moderne Medien im Verband mit dem Politikbetrieb Wirklichkeit erzeugen, filtern und normieren.
Gleichzeitig erleben wir eine zunehmende Ermüdung gegenüber ideologischen Übersteigerungen eines moralisch aufgeladenen Aktivismus, der ursprünglich aus legitimen Anliegen hervorging – Antirassismus, Gleichberechtigung, Minderheitenschutz –, sich jedoch in Teilen in einen dogmatischen und sozial sanktionierenden Moralismus verwandelt hat. Gerade dort, wo kulturelle Milieus beginnen, Dissens reflexhaft moralisch zu delegitimieren, entsteht häufig jene Gegenreaktion, die man aus psychologischen und psychoanalytischen Prozessen gut kennt: Verdrängung, Trotz, Verhärtung und oppositionelle Identitätsbildung.
Als Hillary Clinton einen Teil der Trump-Wähler als „basket of deplorables“ bezeichnete, wurde dies von vielen nicht nur als politische Herablassung verstanden, sondern als Ausdruck einer tieferen kulturellen Verachtung. Ähnliche Dynamiken lassen sich auch in Deutschland beobachten, wenn große Teile der Bevölkerung pauschal moralisch verdächtigt oder implizit aus dem demokratischen Diskurs ausgeschlossen werden. Wo Menschen dauerhaft den Eindruck gewinnen, nicht mehr gehört, sondern lediglich etikettiert zu werden, entsteht Ressentiment – und Ressentiment sucht politische Ausdrucksformen.
Gerade hier setzt das vorliegende Buch an. Es betrachtet die gegenwärtigen politischen Spannungen nicht allein als parteipolitische Konflikte, sondern als Ausdruck einer tieferliegenden Krise des westlichen Selbstverständnisses. Die eigentliche Frage lautet nicht nur, warum Figuren wie Trump oder Bewegungen wie die AfD entstehen konnten, sondern welche kulturellen, psychologischen und geistigen Bedingungen ihren Aufstieg überhaupt möglich gemacht haben.
Dieses Buch ist daher nicht bloß eine Analyse amerikanischer Politik. Es ist ein Versuch, das „postfaktische Zeitalter“ als Symptom einer umfassenderen Transformation des Westens zu verstehen – einer Transformation, die Fragen nach Wahrheit, Identität, Fortschritt, Moral und gesellschaftlichem Zusammenhalt neu aufwirft.
Eine scharfsinnige Untersuchung unserer gegenwärtigen sozialen und politischen Situation durch die Linse der Integralen Theorie – vom Begründer dieses Ansatzes, dem wegweisenden Philosophen Ken Wilber.
Unser zutiefst gespaltenes sozio-politisches Klima gehört zu den größten Herausforderungen unserer Zeit. Nicht nur in Amerika, sondern auch international scheint nahezu jedes Thema extrem lautstarke gegensätzliche Positionen hervorzubringen. Nicht zuletzt ist das Entstehen weitreichender Netzwerke der Desinformation ein Zeichen für die sich vertiefenden Risse in unseren Gesellschaften. Angesichts so viel Feindseligkeit, Antagonismus, Zynismus und Zwietracht stellt sich die Frage: Wie können wir die Brüche in unserer Gesellschaft wieder heilen?
Der renommierte Philosoph Ken Wilber untersucht diese Polarisierung durch die Perspektive der Integralen Theorie und zeigt auf, was zu diesen Verwerfungen geführt hat – sowohl in den USA als auch weltweit – und was nötig ist, damit die Menschheit voranschreiten kann. In seiner provokativen Analyse legt er dar, wie die wachsende Unterstützung für antagonistische autoritäre Kräfte auch eine Gegenreaktion auf das Versagen jener darstellt, die sich an der Spitze der Bewusstseinsentwicklung sehen (Postmodernismus und Pluralismus): Sie haben es versäumt, die fortbestehenden Probleme anzuerkennen, die trotz unseres vermeintlichen Fortschritts weiterhin bestehen – dass Gleichheit bislang gesellschaftlich nicht verwirklicht wurde und Freiheit sowie Gerechtigkeit keineswegs für alle gleichermaßen gelten.
Doch zugleich entsteht eine neue integrale Kraft, die über Narzissmus, Nihilismus und Zynismus hinausgehen und echte Führung ermöglichen kann – hin zu größerer Ganzheit. Jeder von uns kann Teil dieser Bewegung sein, und Ken Wilber zeigt hier, wie das möglich ist.
Übersetzt von Michael Habeck
ERSCHEINT IM Juni 2026
Anmerkung des Herausgebers
Wir erleben derzeit eine historische Zäsur. Die weltpolitische Ordnung, die dem Westen über mehr als siebzig Jahre relative Stabilität, wirtschaftliches Wachstum und geopolitische Orientierung verliehen hat, gerät sichtbar ins Wanken. Mit der Wahl Donald Trumps im Jahr 2016 – getragen von über 63 Millionen Wählern – und erneut 2024 mit mehr als 77 Millionen Stimmen wurde dieser Ordnung ein massives Misstrauensvotum ausgesprochen. Es wäre ein Fehler, die Person Trump als bloß isoliertes amerikanisches Phänomen zu betrachten.
Ähnliche tektonische Verschiebungen erleben wir inzwischen auch in Europa, insbesondere in Deutschland. Der Aufstieg der AfD verweist auf tiefere kulturelle, psychologische und gesellschaftliche Dynamiken, die sich nicht länger allein mit klassischen politischen Kategorien erklären lassen. In welchem Maße diese Entwicklungen tatsächlich denselben Ursachen entspringen, bleibt Gegenstand notwendiger Analyse. Doch vieles deutet darauf hin, dass sich sowohl der Trumpismus als auch der Erfolg der AfD aus verwandten kulturellen Quellen speisen.
In beiden Fällen beobachten wir ein tiefes Misstrauen gegenüber traditionellen Medien und politischen Institutionen – ein Phänomen, das Denker wie Noam Chomsky bereits in den 1980er Jahren beschrieben haben. Sein gemeinsam mit Edward S. Herman veröffentlichtes Werk Manufacturing Consent analysierte früh die strukturellen Mechanismen, durch die moderne Medien im Verband mit dem Politikbetrieb Wirklichkeit erzeugen, filtern und normieren.
Gleichzeitig erleben wir eine zunehmende Ermüdung gegenüber ideologischen Übersteigerungen eines moralisch aufgeladenen Aktivismus, der ursprünglich aus legitimen Anliegen hervorging – Antirassismus, Gleichberechtigung, Minderheitenschutz –, sich jedoch in Teilen in einen dogmatischen und sozial sanktionierenden Moralismus verwandelt hat. Gerade dort, wo kulturelle Milieus beginnen, Dissens reflexhaft moralisch zu delegitimieren, entsteht häufig jene Gegenreaktion, die man aus psychologischen und psychoanalytischen Prozessen gut kennt: Verdrängung, Trotz, Verhärtung und oppositionelle Identitätsbildung.
Als Hillary Clinton einen Teil der Trump-Wähler als „basket of deplorables“ bezeichnete, wurde dies von vielen nicht nur als politische Herablassung verstanden, sondern als Ausdruck einer tieferen kulturellen Verachtung. Ähnliche Dynamiken lassen sich auch in Deutschland beobachten, wenn große Teile der Bevölkerung pauschal moralisch verdächtigt oder implizit aus dem demokratischen Diskurs ausgeschlossen werden. Wo Menschen dauerhaft den Eindruck gewinnen, nicht mehr gehört, sondern lediglich etikettiert zu werden, entsteht Ressentiment – und Ressentiment sucht politische Ausdrucksformen.
Gerade hier setzt das vorliegende Buch an. Es betrachtet die gegenwärtigen politischen Spannungen nicht allein als parteipolitische Konflikte, sondern als Ausdruck einer tieferliegenden Krise des westlichen Selbstverständnisses. Die eigentliche Frage lautet nicht nur, warum Figuren wie Trump oder Bewegungen wie die AfD entstehen konnten, sondern welche kulturellen, psychologischen und geistigen Bedingungen ihren Aufstieg überhaupt möglich gemacht haben.
Dieses Buch ist daher nicht bloß eine Analyse amerikanischer Politik. Es ist ein Versuch, das „postfaktische Zeitalter“ als Symptom einer umfassenderen Transformation des Westens zu verstehen – einer Transformation, die Fragen nach Wahrheit, Identität, Fortschritt, Moral und gesellschaftlichem Zusammenhalt neu aufwirft.